Leider keine Seltenheit: gerissene Latten oder nicht eingehaltene Randabstände. Fotos: Redecker

Steildach

22. January 2020 | Teilen auf:

Basiswissen: Regelkonforme Lattenbefestigung

Worauf müssen Dachdecker bei der Befestigung von Latten achten? Immer noch werden Steildächer nach Fertigstellung wieder abgenommen, weil die Latten oder die Befestigung nicht regelkonform, also nicht nach den Hinweisen für Holz- und Holzwerkstoffe und den entsprechenden Normen, ausgeführt wurde. Hier gibt es eine Zusammenfassung. Bernd Redecker

Mindestabstand und beanspruchtes Ende

In unseren Hinweisen für Holz- und Holzwerkstoffe ist der Mindestabstand der Nägel untereinander und zu den Rändern festgelegt. Wird ein Mindestabstand von 5 Nagelschaft-Dicken (d) zum Holzrand eingehalten, kann eine Konter- oder Traglatte wirksam auf dem Sparren befestigt werden. Wird eine Traglatte auf eine Konterlatte genagelt, ist die obere, zum First zeigende Lattenseite durch den darauf liegenden Ziegel beansprucht. Hier ist deshalb ein Abstand von mindestens 7 Nagelschaft-Dicken (d) zur oberen Lattenkante einzuhalten. Der Bereich unter dem Nagel ist als unbeanspruchter Rand definiert, 5 d sind als Abstand einzuhalten. Wird eine Konterlatte mit Nägeln auf dem Sparren befestigt, gilt der Holzrand rechts und links vom Nagel ebenfalls als unbeanspruchter Rand.

Grafiken: Deutsches Dachdeckerhandwerk Regelwerk, Abschnitt: Hinweisen für Holz- und Holzwerkstoffe
Leider keine Seltenheit: gerissene Latten oder nicht eingehaltene Randabstände. Fotos: Redecker

Und wenn der Sparren zu dünn ist?

Die Skizze zeigt, dass der Mindest-Randabstand der Nägel der Traglatte auf einem Sparren mit einer Breite von 64 mm, normal senkrecht zur Latte genagelt, nicht eingehalten werden kann. Denn bei 30 mm starker Konterlatte dringen die vorgeschriebenen Nägel durch die Konterlatte auch in den Sparren ein. Ist also ein schmaler Sparren vorhanden, wird bei senkrechter Nagelung unter Einhaltung der Randabstände die Befestigungsnägel der Tragelattung am Sparren vorbei genagelt und womöglich durch die Unterdeckbahn bzw. Unterspannbahn. Die Unterdeckbahn bzw. Unterspannbahn hätte damit Löcher und wäre unbrauchbar. Auch könnte, je nach Dicke der Konterlatte, die Mindesteindringtiefe nicht erreicht werden, die man benötigt um den erforderlichen Halt der Nägel zu erzeugen. Es ist eine Eindringtiefe von 12 d bei einem glatten Nagel, 8 d bei einem Rillennagel und 6 d bei der Verwendung von Schrauben herzustellen, um die vorgesehene Auszugsfestigkeit zu erreichen (12 d entsprechen bei einem 3,1 mm glatten dicken Nagel 37,2 mm Eindringtiefe). Spätestens jetzt fällt auf, dass eine 30 mm dicke Konterlatte allein, ohne unterliegenden Sparren zu dünn ist, falls im Randbereich genagelt werden muss.

zuletzt editiert am 04.08.2021